RETTET BASEL!


Newsletter 28 — 3. Juni 2012

Liebe Unterstützerin, lieber Unterstützer

«Die Redaktion der Basler Zeitung war und ist nicht als aufmüpfig bekannt. Jede der zahlreichen Spitzkehren, die ihnen die Vorgesetzten in den vergangenen Jahren und in kürzesten Abständen zugemutet hatten, wurde ohne grossen Widerspruch nachvollzogen», schreibt der Ex-BaZ-Journalist Christian Mensch in seinem Buch «Enteignete Zeitung? Die Geschichte der Basler Zeitung – ein Lehrstück über den Medienwandel», das eben im Schwabe Verlag erschienen und ab morgen im Buchhandel erhältlich ist.

CLAUDIO ZANETTI ZIEHT SICH ZURÜCK

Umso erstaunlicher ist darum die jüngere Entwicklung: Mitte Mai teilte die Basler Zeitung mit, Claudio Zanetti werde aus «persönlichen Gründen» seine Reise als Berichterstatter über den US-Wahlkampf nicht antreten und die in Aussicht gestellte Festanstellung als Bundeshauschef ausschlagen. Genauere Gründe über den Rückzug wurden nicht bekannt gegeben. Am 26. Mai schrieb der Tages-Anzeiger: «Dass sich Zanetti von seinem Engagement freiwillig zurückgezogen hat, wird auf der Redaktion der BaZ angezweifelt - aus zwei Gründen. Zum einen zeigte sich Zanetti enthusiastisch, in den Journalismus wechseln zu können; sein Umfeld erlebte ihn so ‚gut gelaunt wie lange nicht mehr’. Zum anderen hatte die Redaktion Druck auf Somm und CEO Filippo Leutenegger gemacht. Der FDP-Nationalrat war dem Vernehmen nach aus wirtschaftlichen Gründen gegen Zanettis Anstellung und soll diese gegen Somms Willen verhindert haben.» Sollte sich die Sache tatsächlich so zugetragen haben, wäre das ein erstaunlicher Erfolg für eine Redaktion, die bereits kräftig ausgedünnt und mit Somm-genehmen Leuten besetzt wurde.

MARKUS SOMM SPRICHT IN EGERKINGEN WEITERE ENTLASSUNGEN AUS

Anfang Mai referierte Markus Somm an einer Veranstaltung der Vereinigung privater Aktiengesellschaften (VPAG) in Egerkingen. Er zeichnete das Bild des durchschnittlichen Schweizer Journalisten: 40 Jahre alt, links, zwei Kinder, die er täglich selber in die Kita bringt. Das Publikum habe schallend gelacht. Das Oltner Tagblatt berichtete am 10. Mai: «Offenbar trifft Somms Einschätzung auch auf die BaZ-Redaktion zu, wie er auf eine Frage aus dem Publikum erwähnte. Von den 90 Redaktoren bei seinem Stellenantritt hätten nur gerade zwei eine bürgerliche Grundgesinnung gehabt. Somm will nun aus der vorher mitte-links positionierten BaZ eine Mitte-rechts-Zeitung machen. Dafür habe er sich bereits von der halben Redaktion getrennt, weitere Abgänge sollen folgen. Er sei sich bewusst, dass er mit diesem Kurs in Basel auch Leser verliere, die Anzahl der gekündigten Abos sei aber nicht dramatisch. ‹Das nehme ich in Kauf›, so Somm.» Somm habe durchblicken lassen, dass er kein Problem damit habe, von Blocher bezahlt zu sein. Immerhin sei es gelungen, die Basler Zeitung vor dem Zugriff anderer Medienunternehmen zu retten. Und zu links sei nicht nur die Redaktion der Zeitung, sondern die ganze Region Basel. – Die allerdings wird er nicht so leicht entlassen können.

DIE RECHTE MEDIENVIELFALTHOLDING TAGT IN ZÜRICH

«Es findet im Schweizer Journalismus ein Kulturkampf statt und es gibt viele verdeckte Agenden. Die Medien, mit denen wir geflutet werden, haben immer weniger Qualität, ihre Journalisten verstehen sich nicht mehr als objektive Beobachter, sondern als Missionare», habe die frühere Tessiner FDP-Regierungsrätin Marina Masoni und heutige Verwaltungsratspräsidentin von Tito Tettamantis MedienVielfalt Holding bei einer Tagung in Zürich gesagt, wie kleinreport.ch am 21. Mai mitteilte. Masoni meinte damit selbstredend nicht Markus Somm und Roger Köppel, sondern sämtliche anderen Journalisten. Bei der gleichen Tagung soll, wie der Sonntag heute publik machte, Filippo Leutenegger ausgeplaudert haben, wie es der Holding mit 40 Mio Franken Aktienkapital gelungen sei, Rahel Blocher die BaZ im Wert von 70 Mio Franken abzukaufen: mit einem Bankkredit der Helvetischen Bank, für den Christoph Blocher die Garantien übernommen habe. Anwesend bei der Tagung war auch Weltwoche-, BaZ- und Spatz-Kolumnist Kurt W. Zimmermann. Er bedauerte in seinem Referat angeblich, dass es keine «materiellen Anreizsysteme» für rechts schreibende Journalisten gebe: «Da bleibt als Anerkennung nur das Schulterklopfen der Kollegen». Und darüber hinaus ein gutes Salär, für das Herrliberg die Garantien übernimmt.

DIE ENTEIGNETE ZEITUNG

«Gegenüber Dritten sagte er (Somm) wörtlich, er sei ‹im Krieg› gegen die Redaktion» berichtet Christian Mensch in seinem oben erwähnten Buch. – Rettet-Basel-Mitglied Alfred Schlienger hat das Buch gelesen und für die Programmzeitung besprochen. Seine Rezension finden Sie hier. Menschs Buch kann beim Schwabe Verlag auch online bestellt werden.

Mit herzlichen Grüssen
Rettet Basel!

Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann, Mathias Knauer, Guy Krneta, Alfred Schlienger.

www.rettet-basel.ch
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Zuschriften zur Aktion bitte an info@rettet-basel.ch