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Newsletter 19 — 5. Dezember 2011
Liebe Unterstützerin, lieber Unterstützer
Der Kampf um den Medienplatz Basel tritt in die entscheidende Phase. Am Dienstag kündigte die Basler Zeitung an, der neuen Konkurrenz mit einer eigenen Sonntagsausgabe zu begegnen. Offenbar ging der Ankündigung eine kommunikative Panne voraus: Die Anzeigekunden der BaZ waren früher informiert worden als das eigene Personal, welches via Basellandschaftliche Zeitung zum ersten Mal von der Sache erfuhr.
«JÄ, DIE MIEN E BITZ GAS GÄ!»
Insgesamt scheint die Sache unausgegoren zu sein. Frühere Pläne für eine Sonntagsausgabe waren aus Kostengründen immer wieder fallengelassen worden. Es handle sich nicht um eine eigentliche Sonntagszeitung, erklärte Moritz Suter gegenüber dem Regionaljournal, die BaZ sei jetzt «die einzige Tageszeitung, die einfach sieben Mal erscheint». In Medienkreisen erntete Neuling Suter für diese Bemerkung Kopfschütteln: Die Südostschweiz, die Neue Luzerner Zeitung und Le Matin würden seit langem sieben Mal die Woche erscheinen. Anders als sein angeblicher Chef wünscht sich Markus Somm «eine Mischung aus einer herkömmlichen Sonntagszeitung, einem intelligenten Magazin nach dem Vorbild des New Yorker und einer Lebensstilzeitschrift wie der Annabelle.» Mit einem solchen Konzept wiederum – merkt die Zeitung Sonntag an – gerate die BaZ in direkten Wettbewerb um Werbekunden mit dem Tages-Anzeiger-Magazin, das der BaZ jeden Samstag gratis beiliegt. So oder so: Eine Aufstockung des Personals – welches Kündigungen aus «wirtschaftlichen Gründen» bereits verkraften musste – ist nicht vorgesehen. «Jä, die mien e bitz Gas gä!», meinte Moritz Suter dazu lapidar im Regionaljournal.
NOCH MEHR ZWANGSBEGLÜCKUNG
So werden wir ab dem 8. Januar also auch am Sonntag von einer Zeitung zwangsbeglückt, die sich trotz Rüge des Presserats weigert, die Eigentumsverhältnisse offenzulegen. Ausgabe sieben soll während zwölf Wochen mit einer Auflage von 220'000 Exemplaren in der Region Basel gratis gestreut werden.
«KAUFT DIE AKTIEN, WENN SIE DANN ZU HABEN SIND!»
In einem Vortrag am 24. November 2011 vor der Vereinigung der Basler Ökonomen soll Moritz Suter – gemäss einem Bericht von Christian Mensch in der Zeitung Sonntag – erklärt haben, er plane, eine Mehrheit von siebzig Prozent der Aktien der Basler Zeitung in der Bevölkerung zu streuen, während nur eine Minderheit von dreissig Prozent einem kleinen Aktionärskreis vorbehalten bleibe. «Kauft die Aktien, wenn sie dann zu haben sind», habe Suter in den Saal gerufen. Doch was ihn davon abhalte, die Aktien des maroden Unternehmens auf den Markt zu werfen, verriet er nicht.
BLOCHER HAT WEITERHIN DAS SAGEN
Die eigentlichen Besitzer, merkt Christian Mensch an, würden ihren Einfluss bei der BaZ nämlich gar nicht aufgeben wollen. Es zeichne sich ein immer gespannteres Verhältnis zwischen Suter und seinen Hintermännern ab. Unter vier Augen gebe Suter gerne mal zu erkennen, dass sein eigentlicher Kontrahent Christoph Blocher heisse, schreibt Mensch, ohne Bekanntgabe seiner Quellen. Dem fügt der heutige Tages-Anzeiger hinzu: «Gemäss Informationen des TA hat sich Suter bereits zu einem früheren Zeitpunkt gegenüber einem Basler Regierungsrat darüber beklagt, dass er Chefredaktor Markus Somm nicht entlassen dürfe.» Namen jedoch werden auch hier nicht genannt.
BAZ KÜNDIGT ZUSAMMENARBEIT MIT PROGRAMMZEITUNG
Derweil kündigt die BaZ auf Ende Jahr ihre Zusammenarbeit mit der Programmzeitung. Seit einigen Jahren – nachdem Kulturschaffende die Bezahl-Agenda der BaZ erfolgreich boykottiert hatten – lieferte die Programmzeitung die vollständigen Daten für die Kultur-Agenda. Das hatte den Vorteil, dass Veranstalterinnen und Veranstalter mit ihren Daten nur die Programmzeitung beliefern mussten und dann gleich an mehreren Orten präsent waren. Die neue Medienvielfalt führt dazu, dass Kulturschaffende wieder verschiedene Stellen bedienen müssen, die untereinander nicht koordiniert sind. Was die BaZ vorhat und warum sie die Zusammenarbeit mit der Programmzeitung gerade jetzt kündigt, nachdem sie sie vor einem Jahr aus regionalpolitischen Überlegungen heraus noch ausbauen wollte, war nicht zu erfahren.
Wir grüssen Sie herzlich
RETTET BASEL!
P.S. Gerne weisen wir Sie auf den Beitrag «Aufruhr und Konstante in der Medienszene beider Basel» von Medienwissenschafter Roger Blum in den Baselbieter Heimatblättern hin, den Sie von unserer Website herunterladen können.
www.rettet-basel.ch
www.medientransparenz.ch